Sonntag, 7. August 2011

Ben Hur war gestern

Wie der geneigte Blogleser sicher noch in Erinnerung hat, am 12.06. wurde auf unser schlimmes Kind geschossen! In welcher Absicht auch immer - ich will's überhaupt nicht wissen. Tatsache ist, dass schießwütige Vollpfosten, jederzeit irgendwo im Gestrüpp lauern können, die nur darauf warten, dass ein Haustier auch nur den Anschein erweckt, zu jagen. Als jagend wird laut Landesjagdgesetz schon ein Hund bezeichnet, der mit tiefer Nase stöbert, was Hunde ja bekanntlich schon seit Anbeginn ihrer Erfindung auch so machen, nur um "Zeitung zu lesen"!!! Dieses "Vergehen" berechtigt zwar längst nicht jedes Halbhirn mit Waffe in der Hand, den Vollstrecker zu spielen, hilft dem Hund selbst aber recht wenig, wenn dies dennoch geschieht.

Für alle, die es ganz genau wissen möchten - ich fürchte allerdings, dass die wenigsten Grünröcke dieses Gesetz wirklich kennen, geschweige denn verstehen oder gar des Lesens überhaupt nicht mächtig sind:

Solchen Subjekten gar noch zu erklären, dass Soa nicht jagt sondern hütet und sogar bei verunfallten Mäusen Erste-Hilfe-Maßnahmen einleitet, versuche ich erst gar nicht. Schon gar nicht, nachdem etwa 10km von uns entfernt ein pflichtbewusster Waidmann in der Dunkelheit in einem schnaubenden Pferd ein Wildschwein zu erkennen glaubte und dieses in putativer Notwehr erschoss. Mir wurde von den Herren ja schon hinreichend erklärt, dass unsere Mädels doch ohne weiteres mit einem Fuchs verwechselt werden könnten. Ich bin zwar nach wie vor der festen Überzeugung, dass ganz sicher keine 18kg schweren Füchse mit gelben Warnwesten umherstreifen oder gar reflektierende Brustgeschirre oder bunte Halsbänder tragen, aber die Sache mit dem Pferd zeigt wieder einmal, dass nichts unmöglich ist.

Also bleibt das Rattenhörnchen in gefährdeten Bereichen vorerst an der langen Leine. Damit dennoch ihrem ausgeprägten Bewegungsdrang Rechnung getragen wird, muss Ingo als Motivationsobjekt herhalten. Soa läuft in Hundegesellschaft einfach viel lieber und da auch der Master of Disaster gerne einmal irgendwelchen Pelztieren nachstellt und (aus gutem Grund) eh meist an der Leine bleibt, werden somit zwei Fliegen mit einer Klatsche geplättet. Offensichtlich bleibt der Spaß auch nicht auf der Strecke, wenn nun mit vereinten Kräften der Chef durch die Landschaft geschleppt wird :-).

Ben Hur war gestern - heute ist Pelzgesichter-Jöring angesagt. So macht die tägliche Bewegung an der frischen Luft richtig Laune ;-)

Selbst der eher lauffaule Ingo legt sich mächtig ins Zeug

Völlig losgelöst
Sandra vom BARF-Shop Wallertheim war so lieb, uns ihren Tretroller zum testen auszuleihen. Ein dickes Dankeschön dafür! Ein Höllenteil, das einfach nur Laune macht! Die Hunde waren anschließend völlig geplättet aber glücklich. Schade nur, dass es bei uns so viel Berg und Tal gibt. Auf Dauer ist das für die Hunde dann doch zu schwer. Trotzdem werden wir weiter am Rädchen drehen und dazu aufs Fahrrad steigen. Rio läuft als Animateur frei vorne weg und freut sich, dass sie vom hütenden Rattenhörnchen verschont bleibt. Die Befreiung ist ihr überdeutlich anzusehen. Fehlt nur noch, dass sie ihrer, in den Riemen hängenden, chancenlosen Verfolgerin lange Nasen dreht oder gar hämisch grinsend die Mittelkralle zeigt *lol*. Natürlich sind die Brustgeschirre dabei nur eine Notlösung. Die passenden Zuggeschirre und -leinen mitsamt Bikeantenne sind schon bestellt und per Mountainbike werden dann auch überwiegend unbefestigte Wege unsicher gemacht.

So kann das Kind sich auspowern ohne gleich dem Jagdschutz *würg* zum Opfer zu fallen. Ich für meinen Teil setze jedenfalls verschärft darauf, dass rotbraune Pelzgesichter, die ein Fahrrad hinter sich her schleifen, NICHT kurzerhand zum höchst verdächtigen, womöglich gar gefährlich erkrankten Fuchs erklärt und erschossen werden *Stoßgebet zum Himmel schick: "Oh Herr, lass Hirn regnen"*.

Auf Soa hatte das Zugtraining bis jetzt durchweg positive Effekte: ihre Hühnerbrust verbreitert sich zusehends und mit jedem zurückgelegten Kilometer wird sie ausgeglichener, kooperativer und cooler (*räusper*... ich sollte auch Roller ziehen). Zum ersten Mal fand sie beim Rollern (mit frei laufender Rio und selbstverständlich OHNE Ingo... *hust*) den kläffenden Jack-Russel, Paul, am Straßenrand völlig uninteressant und auch Fußgänger wurden ignoriert. Wir konnten sogar schon ein Agitraining ohne grantiges Gekläff absolvieren, was allerdings auch an dem klein geschnippelten Grillfleisch oder der Leberwursttube in meiner Tasche gelegen haben mag *gg*.

Egal, etwas davon tat seine Wirkung und sicherheitshalber werden wir nichts davon streichen. Und so konnte auch die erste kontrollierbare Hundebegegnung im Freilauf unter Erfolg verbucht werden! Beim Anblick von Russelmädchen "Sally" war Soa aus vollem Sprint abrufbar!!! Beim anschließenden gemeinsamen Spaziergang kamen beide Hunde, nach rasantem 20m-Kaninchenfitnesstraining, auf nur einmaliges Rufen zurück - Wunder über Wunder! OK, zugegeben, Rufen ist etwas untertrieben, es war eher ein Urschrei, was jedoch den Erfolg keineswegs schmälert. Die artige Sally hatte in diesem Moment zwar einen überaus positiven Einfluss, aber gute Vorbilder waren ihr bis dato auch immer völlig schnuppe.

Fazit: Nur ein müder Hund ist ein guter Hund.  Und: die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt. Irgendwann wird auch das schlimme Kind ein wohlerzogener Begleithund für alle Lebenslagen sein. Ganz bestimmt, oder Soa?



Soa???


SOOOAAAAAA!!!!!!!



*seufz*

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